Selbstliebe und Selbsthass

Jack Kornfield, ein westlicher Meditationslehrer, beschrieb dem Dalai Lama gegenüber seine Schwierigkeiten bei der Meditation. Er und viele seiner Schüler sahen sich mit Selbstkritik, geringem Selbstwert und sogar Selbsthass konfrontiert und wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Die Übersetzer des Dalai Lama hatten Schwierigkeiten seiner Heiligkeit das Problem in tibetischer Sprache zu erklären und es dauerte ca. 10 Minuten, bis der Dalai Lama den Sachverhalt verstand. Er und viele weitere buddhistische Mönche waren geschockt und er erwiderte: „Selbsthass? Aber das ist falsch, jedes Leben ist kostbar!“

Aus Sicht der tibetischen Kultur ist ein Mangel an Selbstbewusstsein und Selbstliebe vollkommen unlogisch. Wenn ich nicht selbst an mich glaube, wie kann ich dann erwarten, dass andere Menschen an mich glauben? Und wenn ich mich selbst nicht liebe, wie soll ich dann andere Menschen davon überzeugen mich zu lieben? So die tibetische Logik.

 

Selbsthass ist ein Fluch


Selbstliebe Selbsthass PsychotherapieJesus sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Alles schön und gut, aber was passiert, wenn ich mich selbst gar nicht leiden kann? Wie kann ich dann meinen Nächsten überhaupt nur gern haben?

Sie sehen, das Problem von Selbsthass oder mangelnder Selbstliebe frisst sich in alle Bereiche des Lebens. Ob Sie es hören wollen oder nicht: Selbstliebe ist der Beginn aller Dinge. Wer sich selbst nicht liebt, kann nur streng, beurteilend, respektlos und/oder lieblos zu sich sein. Wer sich selbst nicht liebt, hat den Inneren Kritiker immer auf Stand-by. Wer sich selbst hasst, kann auch andere nur hassen.

Und man kann auch andere nicht auf einem höheren Niveau lieben, als sich selbst. Selbstliebe ist die Voraussetzung für eine gute Partnerschaft, gute Freundschaften, gute familiäre Beziehungen.

 

Selbsthass ist ein Teufelskreis. Selbstliebe die Lösung.


Wir können nur die Person sein, die wir schon sind. Natürlich habe wir immer das Potential zur Veränderung, aber letztendlich können wir nicht aus unserer Haut heraus. Wir stecken in diesem Körper, mit dieser Persönlichkeit und mit diesen Stärken und Schwächen. Wir können dagegen ankämpfen wie wir wollen, wir können es nicht ändern. Selbsthass bringt also rein gar nichts.

Wenn Sie sich wünschen doch lieber jemand anders zu sein, werden Sie unwiderruflich scheitern. Wir können nicht mit dem Universum oder Gott diskutieren darüber, wie es/er uns gemacht hat. Diesen Kampf werden Sie verlieren und daraus entwickelt sich nur noch weniger Selbstliebe und mehr Selbsthass. Es ist ein Teufelskreis.

Der erste Schritt zu mehr Selbstliebe ist achtsam zu sein und Mitgefühl zu entwickeln. Zunächst für sich selbst. Dann für andere. Wenn wir lernen Verständnis und Mitgefühl für uns zu haben, wird sich dies unweigerlich auf all unsere Beziehungen ausweiten. Mitgefühl mit sich selbst zu haben bedeutet dabei nicht naiv zu sein und alles toll zu finden, was man macht. Mitgefühl schließt eine gesunde Selbstkritik nicht aus.

 

Selbsthass gegen Selbstliebe austauschen


Selbsthass vergeht nicht über Nacht. Und ich will ehrlich sein. Manche Leute arbeiten an der Selbstliebe ihr ganzes Leben. Aber das ist es wert. Denn es gibt nichts Schöneres als Zeit mit jemandem zu verbringen, der uns genauso so akzeptiert und liebt, wie wir wirklich sind. Dieses Gefühl ist heilsam. Und mit wem verbringen wir die meiste Zeit? Mit uns selbst!

Sobald wir uns selbst lieben, werden wir feststellen, dass es keinen Unterschied mehr gibt zwischen uns und anderen. So wie wir uns selbst lieben, lieben wir auch andere und wollen, dass Sie zufrieden und glücklich sind. Unsere ganze Welt wird sich verändern.

Machen Sie also folgendes:

  • Lernen Sie mit sich allein zu sein. Dafür ist eine regelmäßige Meditationspraxis die perfekte Übung. Hier finden Sie eine angeleitete Meditation.
  • Begegnen Sie sich selbst mit mehr Mitgefühl. Haben Sie Verständnis für Ihr Verhalten, Ihre Gefühle, Ihre Bedürfnisse.
  • Wünschen Sie sich selbst nur das Beste. Wünschen Sie sich Zufriedenheit, Glück, Liebe und Heilung. Behandeln Sie sich wie Ihren besten Freund.
  • Tuen Sie etwas Gutes für sich und Ihren Körper. Behandeln Sie Ihren Körper wie einen guten Freund, der Sie durch’s Leben trägt.
  • Seien Sie dankbar für die Dinge, die Sie haben und hadern Sie nicht mit Ihren angeblichen Unzulänglichkeiten. Wann immer sich der innere Kritiker meldet, geben Sie ihm eine Abfuhr.
  • Akzeptieren Sie, dass es auch mal schwere Zeiten gibt, in denen Sie sich nicht so wohl in Ihrer Haut fühlen. Das ist Teil des Lebens und kein Zeichen dafür, dass Sie es nicht wert sind.
  • Wenn Sie morgens aufwachen, halten Sie einen Moment inne, bleiben Sie noch einen Moment liegen und sagen Sie sich eine nette Botschaft für den Tag: „Ich freue mich auf den kommenden Tag. Ich werde heute gut zu mir selbst sein. Ich bin dankbar für diesen neuen Tag und dass es mir gut geht.“

 

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